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X-Ray Play, 1998 
Serie von Röntgen- und Tablettenobjekten und
Serie von 8 Enkaustiken auf Leinwand (110/210cm)

“Über Zivilisation und Körper”

Judith Baum befaßt sich in ihrem gesamten bisher vorliegenden Werk immer wieder mit dem Körper, speziell dem dem weiblichen, ihrem eigenen Körper, ohne dass dies immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Was mich an ihrer Arbeit besonders fasziniert, ist ihre multimediale Behandlung dieses Themas, das Transportieren von Materialqualitäten in und zwischen unterschiedlichen Medien.

So finden Sie hier beispielsweise grossformatige, mit der mittelalterlichen Technik der Enkaustik gefertigte Bilder, unter deren Farb- und Wachsschichten Abdrücke ihres eigenen Körpers zum Vorschein kommen. Daneben dann eine Reihe kleinformatiger Arbeiten, denen zwei neuzeitliche Medien zugrunde liegen, nämlich das Röntgenbild und die Fotografie, die sie zu formal reduzierten, absolut un-gestischen Minitaturen von hoher grafischer Qualität zusammenstellt.

Beide Beispiele geben ein weiteres Charakteristikum der Kunst Judith Baums zu erkennen, nämlich ihre Arbeiten in Serien, in Sequenzen, mittels derer sie jeweils bestimmte Aspekte, Teile und Sichtweisen des Körpers herausstellt und einander gegenüberstellt, so dass vom Betrachter vielfältige Beziehungen hergestellt werden können.

Die hier vorzufindende Kombination von Malerei – übrigens auf etwa einzelbettgroßen Leinwänden über dreidimensionalen Keilrahmen -, den kleinen Röntgenbild-Montagen und den Tabletten-Reliquiaren wirft Fragen auf, die alle mit dem Thema “Körper” zu tun haben. Konsequent behandelt Judith Baum dieses Thema, zeigt den und arbeitet mit dem Körper, liefert zugleich auch Blicke nach innen, zeigt das Körperinnere. …
Gerald Matt